Samstag, 3. Dezember 2016

Tolupanes setzen sich gegen Landraub und illegalen Holzeinschlag zur Wehr

Die indigenen Tolupanes leben in 31 Gemeinden in Yoro und Francisco Morazán. Vor der Kolonialzeit besiedelten sie fast die ganze Nordküste vom Rio Ulua bis nach Trujillo. Mit Beginn der Kolonialzeit begann die kontinuierliche Vertreibung von ihren Territorien, deren Verteidung bis heute eines der zentralen Anliegen der Tolupanes ist. Ihre Gemeinden liegen verstreut in den Bergen, die Straßen sind schlecht, es gibt wenig Infrastrukur, die Gesundheitsversorgung ist prekär und der Zugang zu Bildung ist unzureichend.
Nach 5 Stunden Autoahrt, Flussdurchquerungen und Fahrzeugwechsel, da die Gemeinden nur mit Allradfahrzeugen zu erreichen sind, kommen wir in San Francisco Campo in Locomapa an.




„Willkommen in San Francisco de Campo. Wir Menschen sind Teil der Natur, weshalb eine Schädigung der Umwelt auch eine Schädigung unserer eigenen Existenz ist.“ - lesen wir auf dem Ortsschild.

Wir werden hier bereits von einer Gruppe von 25-30 Personen erwartet. Nach einer herzlichen Begrüßung berichteten uns einzelne Gemeindemitglieder von den aktuellen Konflikten und Bedrohungen. Von ihrem Territorium, für das sie einen Landtitel von 1864 besitzen, hat der Ex-General Kenton Landa Uclis 50% in den 80er Jahren mit Hilfe seiner Militäreinheit illegal besetzt.
Die Tolupanes sehen sich einer vielzahl von Konflikten gegenüber, die seit den 80er Jahren mehr als 100 ermordete Líderes der Tolupanes gefordert haben. Damit gehören die Tolupanes zu den Indigenen, die am meisten Tote zählen müssen. Die Mehrheit der Fälle bleibt straflos.
Das Territorium der Tolupanes besteht zu 90% aus Wald und ist wegen des Holzes und Antimonvorkommens begehrt. Täglich verlassen geschlossene Lastwagen mit illegalem Holz das Gebiet. Holz, das den Tolupan-Gemeinden zusteht. Sie jedoch können das Holz nicht schlagen. Der Ex-General bekam trotz des vorhandenenen Landtitels von 1864 vom Instituto Nacional Agrario ebenso einen. Häufig werden von staatlichen Behörden doppelte Landtitel vergeben, um illegal angeeignetes Land, im Nachhinhein zu legalisieren. Aufgrund dieses Titels konnte sich Landa Uclis einen Bewirtschaftungsplan von der staatlichen Forstbehörde ICF genehmigen lassen und durch Bestechung des indigenen Gemeindenrates wurde dieser akzeptiert. Dieser Plan legt die Mengen des eingeschlagenen Holzes fest. Die tatsächliche Menge liegt jedoch über der zugelassenen, sodass Kontrollen der Lastwagen nötig wären – was allerdings bis jetzt nur einmal geschehen ist und Einschüchterungen und Bedrohungen für diejenigen, die sich dafür einsetzen, nach sich zieht.



18 Familien in der Gemeinde haben aufgrund dessen Schutzmaßnahmen, die die Interamerikanische Menschenrechtskommission angeordnet hat. Sichtbar wurden diese für uns, als uns die Polizei ab Ortseingang begleitete.

Das Vertrauen der Bevölkerung in die Gemeinderäte ist aufgrund der Bestechlichkeit dieser gebrochen. Viele Bewohner*innen möchten ihr Land selbst nutzen und verteidigen. Seit 2008 werden sie dabei vom MADJ (Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia) unterstützt.
Die Organisation enstand 2008 aus einem Hungerstreik von 4 Staatsanwälten, die sich gegen Korruption und Komplizenschaft innerhalb der Generalstaatsanwaltschaft auflehnten, weil dort in Korruptionsfällen weder gegen eigene Angestellten noch gegen große Unternehmen ermittelt wurde. Daraus ist eine breite soziale und politische Bewegung entstanden, die sich gegen Korruption, Misswirtschaft öffentlicher Güter und für eine Gesellschaft einsetzt, die auf Transparenz, Würde und den Respekt für Menschrenrechte und Umwelt beruht. Aus dieser Perspektive fördert das MADJ politische Einflussnahme und Kontrolle über Kommunalverwaltungen und staatliche Institutionen. Sie fordern Transparenz und Rechenschaft bei der Verwendung öffentlicher Mittel, indem sie über den Rechtsweg auf nationaler und internationaler Ebene gegen Korruption und Menschenrechtsverletzungen vorgehen.

Sowohl im Büro des MADJ in San Pedro Sula als auch in der Gemeinde San Francisco de Campo in Locomapa wurden wir sehr herzlich aufgenommen und vorzüglich beköstigt. Wir sind zutiefst beeindruckt von dem Mut der Mitglieder des MADJ, die trotz Einschüchterungen und Bedrohungen einen ansteckendenden Optimismus ausstrahlen.









Mittwoch, 30. November 2016

Garifuna-Gemeinden verteidigen ihr Siedlungsgebiet



An der Nordkueste von Honduras leben die Garifuna, eine afro-indigene Bevölkerung, die Ende des 18. Jahrunderts von englischen Kolonisator*innen aus St. Vincent in der Karibik nach Roatan deportiert wurden und danach die Kueste Zentralamerikas besiedelten. Der grösste Teil von ihnen lebt in Honduras.

Im Jahr 1901 wurde ihnen ein Landtitel vom damaligen Präsdidenten Manuel Bonilla übertragen. Die Verteidung ihrer Territorien ist seit Jahrzehnten eines der Hauptanliegen der Garifuna, da die Landtitel im Zuge der neolibalen und diskriminierenden Politik nicht anerkannt werden, obwohl Honduras 1995 die ILO-Konvention 169 zum Schutz indigener Rechte ratifiziert hat.

Die Organisation OFRANEH (Organizacion Fraternal Negra Hondurana) hat sich Anfang der 90er Jahre gegründet, um sich für die Rechte der Garifuna einzusetzen. Seit dem begleitet OFRANEH Gemeinden bei der Verteidigung ihres Landes.


Fast alle der 46 Garifuna-Gemeinden liegen an der Karibikküste. Sie sehen sich mit einer Vielzahl von Landkonflikten konfrontiert. Für die folgenden zwei Tage hat OFRANEH uns eingeladen, in der Bucht von Trujillo einige Garifuna-Gemeinden kennen zu lernen, die sich sich gegen die Landnahme durch nationale und internationale Akteure zur Wehr setzen.


Am zentralen Platz des Städtchens Trujillo, gleich bei dem Denkmal von Christoph Kolumbus, der hier 1502 zum ersten Mal amerikanisches Festland betrat, treffen wir Malvin Norales, einen Aktivisten von OFRANEH, der uns die nächsten Tage begleiten wird. Er erklärt uns die Situation in der malerischen Bucht folgendermaßen:

Dank einer Entscheidung des Präsidenten Manuel Bonilla aus dem Jahr 1901 verfügen die Garifuna hier über kollektive Landtitel für Teile der Bucht und des umliegenden Berglandes. Großprojekte wie eine Militärbasis und ein Hafen für Palmöl und Bananen wurden in den 60er und 70er Jahren mittels Zwangsumsiedlungen einer Garifuna-Gemeinde durchgesetzt. Seit den 90er Jahren macht insbesondere Randy Jorgensen, in Kanada bekannt als „Porno King“ von sich reden. Er eignete sich mit illegalen bzw. illegitimen Methoden weite Teile der Bucht an, um dort Tourismusprojekte zu realisieren, darunter einen Anlegesteg für Kreuzfahrschiffe. Einige seiner Projekte befinden sich auf Garifuna-Gebiet, was zu einem offenen Landkonflikt führte. Jorgensen macht sich dabei die Korruptionsanfälligkeit und den Rassismus der honduranischen Behörden zunutze.

Für die Garifuna-Gemeinden beginnt das Land knapp zu werden. Unter Berufung auf ihren historischen Landtitel betreiben sie Siedlungsprojekte, „Wiederaneignungen“ (recuperaciones). In Begleitung von Malvin und seiner companiera Carmen Alvarez dürfen wir einige dieser Projekte kennen lernen. Wir sind beeindruckt: Vorwiegend junge Leute, die zuvor nicht in der Landwirtschaft tätig waren, nehmen große Risiken auf sich, um brachliegendes Land bewohn- und nutzbar zu machen. Die meisten von ihnen haben eine Migration in die USA hinter sich und fangen nun gemeinsam von vorne an. Die Größe der Gruppen bewegt sich zwischen 20 und 200 Personen. Das älteste Projekt besteht seit 2012, das jüngste hat sich im Oktober diesen Jahres gegründet. Die meisten haben bereits einen Räumungsversuch der Polizei erlebt. Rechtlich besteht dafür keine Grundlage. Medelin, eine der Aktivist*innen, geht davon aus, dass Randy Jorgensen hinter den Attacken steht. Sie ist selbst von der Polizei verprügelt und verschleppt worden und zeigt uns die noch nicht verheilten Wunden. Unser Begleiter Malvin zeigt uns auf seinem Handy Fotos von Mitarbeitern des Pornokönigs, die der Polizei nach getaner Arbeit Essen austeilen.

Bereits am Tag unserer Abreise ereignet sich ein weiterer Übergriff auf ein Siedlungsprojekt, bei dem Hütten und Möbel von Polizisten zerstört werden (siehe weiterer Blog-Eintrag).

Den Garifuna-Aktivist*innen ist die Kraft und Würde ihrer Land-Wiederaneignungen anzusehen, und sie machen uns gegenüber deutlich, dass sie bereit sind, ihre Existenz in der Bucht von Trujillo gegen jeden Widerstand zu verteidigen. Malvin macht uns jedoch auf eine noch weit größere Bedrohung aufmerksam: Die Bucht von Trujillo ist eine von zwei Regionen die die honduranische Regierung für sogenannte ZEDE-Projekte vorgesehen sind: „Zonen für Arbeitsplätze und wirtschaftliche Entwicklung“. Es sollen extraterritoriale Gebiete entstehen, die von Investorenkonsortien verwaltet werden und unter deren eigener Gesetzgebung funktionieren. Pläne dafür liegen OFRANEH vor. Sie zeigen in den schönsten Farben weitläufige Hotelanlagen im Stile von Acapulco, einen Flughafen, einen erweiterten Frachthafen, Regierungsgebäude und vieles mehr, was weltweit tätigen Investoren schmackhaft sein dürfte, aber in krassem Gegensatz zur Kultur der Garifuna steht. Sich hiergegen zu verteidigen, bedarf einer weitaus größeren Anstrengung, und vor allem internationaler Solidarität, so Malvin. Denn wenn die „Modellstadt“ hier durchgesetzt werden kann und erfolgreich funktioniert, wird es viele Regierungen im Globalen Süden geben, die sich auf entsprechende Angebote einlassen.

Wir verabschieden uns von Malvin und den Garifuna mit einem Besuch beim lokalen Radio. In der Sprache der Garifuna werden wir willkommen geheißen und grüßen selber auf spanisch in den Äther bevor der Strom im ganzen Viertel ausfällt. OFRANEH wird die Radioprojekte ausbauen, denn sie sind wichtige Instrumente in der Aufklärung der Bevölkerung über die Bedrohungen, gegen die sich die Garifuna zur Wehr setzen müssen.


Räumungsversuch gegen Garifuna-Aktivist*innen auf dem Siedlungsprojekt Julio Lino bei Trujillo


Heute Mittag drang die honduranische Polizei in das von Angehörigen der Garifuna-Organisation OFRANEH wieder angeeignete Siedlungsprojekt „Julio Lino“ westlich der Küstenstadt Trujillo ein. Die Garifuna-Bevölkerung beruft sich bei diesem und weiteren Siedlungsprojekten auf einen kollektiven Landtitel, der ihr bereits im Jahr 1901 vom damaligen Präsidenten Manuel Bonilla zugesprochen worden war.
Dort leben laut Angaben von OFRANEH ca. 200 Personen. Die Bewohner*innen beklagen die Zerstörung ihrer Behausungen und Möbel, haben das Gelände aber nicht verlassen.

Sonntag, 27. November 2016

Menschenrechtsorganisationen setzen sich gegen Angriffe der Regierung zur Wehr


Die HondurasDelegation hat die Menschenrechtsorganisation CIPRODEH (Centro de Investigación y Promoción de los Derechos Humanos) besucht. Wir haben dort ein Gespräch mit Edgardo Colindres und mit dem Direktor Wilfredo Méndez geführt.

CIPRODEH wurde 1989 gegründet, in einem Zeitraum, in dem Honduras von einer Welle von Entführungen und Verschwindenlassen von Oppositionellen erschüttert wurde. Heute richtet das Zentrum seinen Hauptschwerpunkt auf die Einflussnahme in Politik und Gesetzesgebung aus. Ein Beispiel dafür ist das Monitoring der internen Abläufe im Nationalkongress am Ende der 90er Jahre, mit dem Ziel die Bevölkerung zu informieren, um damit einen Beitrag zur Stärkung der Meinungsbildung in der Bevölkerung zu leisten.

CIPRODEH sah sich durch die zunehmende Gewalt in Honduras, besonders der indigenen Bevölkerung gegenüber, verpflichtet, indigene Organisationen in Rechtsfragen und zur Verteidigung ihrer Menschenrechte zu beraten. Die indigene Bevölkerung ist vor allem von verschiedensten Landkonflikten betroffen, wie die aktuellen Pläne von Staudämmen, Vergabe von Minenkonzessionen, ZEDEs (Modellstädte) und Landraub. Ihre Arbeit richtet sich damit immer stärker auf die Begleitung, Beratung und Unterstützung der Opfer von Menschenrechtsverletzungen. Im aktuellen Fall der Besetzung der Universität für Landwirtschaft in Catacamas von über 1.000 Studierenden, befindet sich CIPRODH gemeinsam mit anderen Menschenrechtsorganisationen wie C-Libre, COFADEH und das Red de Defensoras vor Ort, um die Studierdenen zu beraten.

CIPRODEH erforscht die Hintergründe der jeweiligen Menschenrechtsverletzungen, die in Dokumentationen, Forschungsberichten und Analysen veröffentlicht werden.

Die beiden Gesprächspartner bestätigten die Notwendigkeit der externen Solidarität und Unterstützung in Menschenrechtsfragen, da vorwiegend nur die offizielle Seite der honduranischen Politik nach aussen dringt.




Während unseres Besuchs bei COFADEH (Comité de Familiares de Detenidos y Desaparecidos de Honduras), berichtete die Direktorin Bertha Oliva über die schwierige Situation, in der sich COFADEH aufgrund einer extremen Diffamierungskampagne derzeit befindet. Mit der Kampagne soll die Organisation und deren Arbeit in der Verteidigung der Menschenrechte, speziell in der Region Bajo Aguán, geschwächt und entwertet werden.


Die interamerikanische Komission für Menschenrechte (CIDH) hat seit Jahren für Bertha Oliva Schutzmaßnahmen angeordnet. Bertha berichtet, dass die Finanzierung zur Realisierung der Schutzmaßnahmen jedoch nicht vom Staat übernommen werden, so dass sie selbst finanziell dazu beiträgt. Dies ist ein Besipiel dafür, dass der Mechanismus zum Schutz für Menschenrechtsverteidger*innen noch nicht ausreichend funktioniert.


Ihr Blick auf die zukünftige Politik, insbesondere auf Wahljahr ist eher pessimistisch, aufgrund der derzeitigen Absichten des Präsidenten sich zur Wiederwahl zu stellen. Die konkrete Arbeit mit den Menschen in ihrer Organisation sowie mit denen, die sie begleiten, gibt ihr immer wieder neuen Mut weiterzuarbeiten und Hoffnung auf notwendige soziopolitische Veränderung.



Unser letzter Besuch am Freitag führte uns in die Casa Alianza, einer Herberge für die Straßenkinder Tegucigalpas. Es handelt sich um eine große Einrichtung, die unter dem Namen Covenant House in unterschiedlichen Ländern zu finden ist. Ziel der Einrichtung ist es den Kindern und Jugendlichen Schutz und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Viele von ihnen haben Erfahrungen mit Gewalt und Missbrauch gemacht oder fliehen vor dem organisierten Verbrechen. Zur Zeit leben zwischen 140 und 150 Kinder in der Herberge. Sie alle bilden, wie der Name schon andeutet, eine Allianz und entwickeln gemeinsam mit den Vertreter*innen der Organisation einen sogenannten Lebensplan, der sich kontinuierlich festigt und in vielen den Ehrgeiz weckt, diesen auch zu verwirklichen.

Es gibt unterschiedliche Häuser, zum Beispiel für Mädchen, die sexuellen Missbrauch erlebt haben, für Jugendliche mit Drogenerfahrung oder für minderjährige Migrant*innen und Deportierte.

José Guadelupe Ruelas leitet das die Casa Alianza in Tegucigalpa seit vier Jahren und begrüßte uns zunächst in seinem Büro. Hier führt er uns in die Arbeit des Hauses ein und berichtet von den Erfahrungen seines Teams. Statt den Schutz der Straßenkinder zu würdigen oder gar zu unterstützen steht die honduranische Regierung der Organisation feindlich gegenüber. Direkte Drohungen und Gewalt gegen den Direktor des Hauses blieben unbestraft.

Guadelupe jedoch zeigt sich unbeeindruckt,“...denn was auch immer wir aufgrund unserer Arbeit erleiden müssen, ist nichts im Vergleich zu dem, was die Kinder durchmachen mussten.“: Von Seiten anderer sozialer Organisationen im In- und Ausland genießt die Casa Alianza volle Rückendeckung und sie schützen und unterstützen sich untereinander durch die Bildung von Netzwerken.

Direkt im Anschluss des Gesprächs führte er uns selbst durch die Räumlichkeiten und zeigte uns wo sich die Essräume, die Therapiezentren, die Bibliothek und die Büros der Mitarbeiter*innen befinden.

Ein wichtiger Bereich der Arbeit von Casa Alianza sind die regulären Monitoringberichte über Kinderrechte, die Erstattung von Anzeigen im Namen der Kinder, um das Thema in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.


Die Bauernbewegung ist von Paramilitärs unterwandert

von Giorgio Trucchi, REL-UITA,in npla
(Quito/Tegucigalpa, 07. November 2016, alai).- Das Nationale Agrarinstitut INA (Instituto Nacional Agrario) ist von massiven Kürzungen betroffen: Der Personalbestand wurde um 50 Prozent reduziert, ein Regionalbüros sowie 18 Büros verschiedener Sektoren geschlossen. Damit scheint das Scheitern der Landreform in Honduras besiegelt. Gleichzeitig erreicht die Gewalt gegen die Bauernbewegung im Aguán-Tal einen neuen Höhepunkt.

Proteste der Bauern und Bäuerinnen vom 3. November / Foto: Giorgio Trucchi, Rel-UITA
Am 3. November versammelten sich Vertreter*innen der Gewerkschaft des Nationalen Agrar-Instituts Sitraina aus Aguán und Atlántida (Sindicato de Trabajadores del Instituto Nacional Agrario) und der Bauernorganisation Plataforma Agraria Aguán vor den Räumen der INA in Tegucigalpa, um gegen die derzeitige Agrarpolitik zu protestieren, da diese die Interessen der Bauernfamilien nicht berücksichtige. Die Demonstrant*innen kritisierten die drastische Personalkürzung bei der INA, die Schließung von landesweit fast 20 Anlaufstellen sowie die erheblichen Kürzungen des Budgets.

Ferner tadelten sie die mangelnde Entschlossenheit bei der Suche nach einer Lösung für die Agrarkonflikte in Atlántida und Aguán und kritisierten, dass bisher kein Prozess zur Neubewertung der Agrarschulden der Bauernbetriebe in Gang gekommen sei.
Außerdem forderten sie, die Proteste der Bauernbewegung nicht weiter zu kriminalisieren und gerichtlich zu verfolgen und prangerten die jüngste Eskalation des Konflikts im Aguán-Tal an.

REL-UITA sprach dazu mit Yoni Rivas, Sprecher des regionalen Bauernverbands Plataforma Agraria Aguán-Tal.

Yoni Rivas, Pressesprecher der Bauernbewegung MUCA aus dem Aguán-Tal / Foto: Giogrio Trucchi, Rel-UITA
Yoni Rivas, Pressesprecher der Bauernbewegung MUCA aus dem Aguán-Tal / Foto: Giogrio Trucchi, Rel-UITA
REL-UITA: Wie ist die aktuelle Lage im Aguán-Tal?
Yoni Rivas:  Am 18. Oktober wurden der Präsident der Vereinigten Bauernbewegung von Aguán MUCA (Movimiento Unificado Campesino del Aguán) José Ángel Flores und Silmer Dionisio George, ein weiteres führendes Mitglied, ermordet. Wir sind sehr in Sorge. Seit zwei Jahren weisen wir auf die Unterwanderung der Bauernverbände durch paramilitärische Gruppen hin und fordern eine Neubewertung der Agrarschulden, die uns 2012 durch die Regierung aufgebrummt wurden. Niemand hat uns angehört.
Was sie vorhaben, ist klar: das soziale Netzwerk und die Organisationsstruktur der Bauernverbände zerschlagen, uns wirtschaftlich in die Enge treiben und unsere Organisationen zerstören, indem sie die Wortführer*innen umbringen. Die paramilitärischen Gruppen unterwandern unsere Verbände, das heißt, die Todesschwadronen haben ihre Messer gewetzt und beginnen, uns zu töten.

Woher kommt diese Strategie?
Yoni Rivas:  Kein Zweifel: Dahinter stehen die Regierung, die Landbesitzer*innen und die undurchsichtige Seite des Militärs. Und ihr Ziel ist es, sich das Land wieder anzueignen und den Vorschlag einer umfassenden Agrarreform zu kippen.
Erinnern wir uns an die Worte des verstorbenen Großunternehmers Miguel Facussé, der 2014 erklärt hatte, in spätestens zwei Jahren gehörten alle Ländereien, die er an MUCA verkauft habe, wieder der [von ihm gegründeten] Corporación Dinant.
Welche Möglichkeiten hat die Bauernbewegung von Aguán, sich gegen diese Verquickung von Unterwanderung, Zerstörung und Ermordung zur Wehr zu setzen?
Yoni Rivas:  Wir arbeiten daran. Zunächst einmal versuchen wir, landesweit und über die Grenzen von Honduras hinaus publik zu machen, was hier passiert. Außerdem haben wir einen Vorschlag zur Umstrukturierung der Agrarschulden ausgearbeitet, den wir demnächst vorstellen werden. Das wird uns ermöglichen, die bäuerlichen Unternehmen zu stärken und die Bewegung zu konsolidieren.

Und wenn die Regierung den Vorschlag ablehnt, was würde das für euch bedeuten?
Yoni Rivas:  Das hätte fatale Folgen für mehr als 2.500 Familien. Dennoch sind wir nicht bereit, auch nur einen Schritt zurückzuweichen. Wir sind entschlossen, das Land zu verteidigen, das wir haben. Wir werden stark bleiben und weiter alle Unterwanderungen und Übergriffe anprangern. Wir fordern alle Organisationen, die uns in den letzten Jahren unterstützt haben, auf, wachsam zu bleiben und im Auge zu behalten, was in den nächsten Monaten passieren kann.

Sieht so aus, als würde dieser Landkonflikt nie gelöst werden….
Yoni Rivas:  Die paramilitärische Struktur, die nach dem Staatsstreich geschaffen wurde, versteht es, in Zeiten der zunehmenden Militarisierung der Region und Unterwanderung der Bauernbewegung ihre Strategie zu verändern und zu verfeinern. Infolgedessen haben wir nun begonnen, diesen Parallelapparat genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie wollen uns unser Land wegnehmen, aber das wird ihnen niemals gelingen!

[Hier gibt es noch mehr Bilder zu den Protesten vom 3. November]

Samstag, 26. November 2016

Crowdfunding für die fünfte Hondurasdelegation geht in die letzte Runde


Zur Kampagne auf Betterplace.org

Indigene Bewegungen und Menschenrechtsaktivist*innen in Honduras benötigen heute mehr denn je eine internationale Öffentlichkeit und internationale Solidarität, um einen Mindestschutz vor der Willkür des Staates zu haben. Deshalb wird eine Delegation nach Honduras fahren um von vor Ort zu berichten.

Seit dem Putsch 2009 hat sich die politische und Menschenrechtslage in Honduras kontinuierlich verschlechtert und im März 2016 mit dem Mord an der indigenen Aktivistin Berta Cáceres einen traurigen Höhepunkt erreicht. Eingeschränkte Pressefreiheit, Verfolgung und Bedrohung von Menschenrechtsverteidiger*innen, Journalist*innen, Anwält*innen, LGTBI*-Aktivist*innen und Umweltaktivist*innen gehören mittlerweile zum Alltag. Der Ausverkauf besonders indigener Territorien bedroht die Lebensgrundlage indigener Gemeinden, die verstärkt Repressionen durch staatliche und nicht-staatliche Akteuren ausgesetzt sind.

Seit 2010 organisieren wir Delegationen, um auf die prekäre Menschenrechtslage in Honduras aufmerksam zu machen. Neben der Berichterstattung vor Ort, spielt der Austausch und die Solidarität mit den sozialen und indigenen Bewegungen eine sehr wichtige Rolle.

Aktuell befindet sich die fünfte Hondurasdelegation in Honduras um von vor Ort zu berichten.


Donnerstag, 24. November 2016

Weitere Besuche bei Organisationen in Tegucigalpa: Arcoiris, Friedrich-Ebert-Stiftung und Red Nacional de Defensoras de Derechos Humanos en Honduras

Die Asociación LGTBI Arcoiris in Tegucigalpa basiert ihre Arbeit auf drei inhaltliche Schwerpunkte: Einhaltung der Menschenrechte, politische Arbeit und Gesundheit der LGBTI* Community in Honduras. Seit 2003 setzt sie sich für Bildung und Empowerment der Community ein. Wir haben Arcoiris in ihrem Haus getroffen, das gleichzeitig Basis der Organisation und zweites Zuhause sowie geschützter Raum für viele Menschen ist.
Seit dem Putsch 2009 nahmen die Menschenrechtsverletzungen gegenüber Homo- und Bisexuellen, trans* Menschen und intersexuellen Menschen kontinuierlich zu. Viele Hassverbrechen richten sich gegen die trans* Community, aber aktuell ist eine Zunahme dieser Verbrechen gegen die lesbische Community zu verzeichnen.


Trotz der extrem schwierigen Situation und verschiedenen Rückschlägen haben wir auch viel Hoffnung und positive Energie wahrgenommen. Während die ersten Protestmärsche noch von 12 Personen bestritten wurden, versammeln sich nun jährlich über 500 Mitglieder und Freunde der Community.
Wir alle waren beeindruckt von dem herzlichen Empfang bei der Organisation – etwa 20 Companerxs nahmen sich Zeit für die Delegation und berichteteten über Menschenrechtsverletzungen, Diskriminierung und das schwierige Überleben im Alltag. Immer wieder wurde betont, dass die Asociación wie eine Familie ist und Donny Reyes, der Koordinator der Asociación wurde liebevoll als Vater bezeichnet.


Mittwoch besuchten wir die Friedrich-Ebert-Stiftung und trafen Jennifer Erazo, die Vertreterin der Stiftung in Honduras. Sie gab uns einen detaillierten Überblick über die politische Situation. Es ist deutlich geworden, dass die FES in Honduras eng mit den fortschrittlichen politischen Kräften und sozialen Bewegungen des Landes zusammenarbeitet und diesen beratend zur Seite steht. Die Bedeutung des Zusammenhaltes der sozialen Bewegungen wurde von ihr hervorgehoben und die Stiftung selbst fördert den Dialog in der Zivilgesellschaft.



Der letzte Termin am Mittwoch führte uns zum Netzwerk Red Nacional de Defensoras de Derechos Humanos en Honduras. Es handelt sich um ein Netz von 27 Organisationen und 33 individuell agierenden Menschenrechtsverteidigerinnen.
Yessica Trinidad berichtete von den Herausforderungen ihrer Arbeit. Hauptschwerpunkt ihrer Arbeit ist die umfassende Begleitung von Frauen, die in ihrer politischen Arbeit Menschenrechtsverletzungen erleben. Sie unterstützen in Fragen von Sicherheit und Selbstschutz. Momentan stehen nur drei Mitarbeiterinnen einer zunehmenden Anzahl von Fällen gegenüber – ein Pensum, das kaum zu bewältigen ist. Zudem begleiten sie auch ganz akute Fälle wie die derzeitige Besetzung der Universidad Agrícola Nacional de Catacamas von 1200 Studierenden, die von einer gewaltsamen Räumung betroffen sind.
Yessicas Kollegin Roxana ist Koordinatorin des Internetradios La Rojita. Eines ihrer unterschiedlichen Programme ist Voz Defensora, in dem jeden Tag eine Stunde lang eine Menschenrechtsverteidigerin des Landes vorgestellt wird.

Ein Thema, das bei allen unseren Besuchen eine große Rolle spielte, ist die Reform des Strafgesetzes. Einige Artikel, die bisher vor allem Frauen, der indigenen Bevölkerung und LGBTI* Community Schutz boten, sollen der Reform zum Opfer fallen. Die Menschenrechtsverteidiger*innen blicken mit großer Sorge auf die intransparenten Prozesse und den Aussschluss der Zivilgesellschaft aus dem Entscheidungsprozess.




Mittwoch, 23. November 2016

Gedenkverstanstaltung für Berta Cáceres am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Frauenladen Paula

25. November (Freitag) 2016, 19 Uhr

Langhansstr. 141

Berlin-Weißensee

M12 oder M13 Haltestelle Antonplatz



Berta Isabel Cáceres Flores war eine indigene Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin aus Honduras. Sie wurde am 3. März 2016 ermordet. Vor ihrem Tod hatte sie jahrelang Morddrohungen erhalten, die offensichtlich mit ihrem Umwelt- und Menschenrechtsengagement zusammenhing. Berta Cáceres war eine der MitbegründerInnen des 1993 ins Leben gerufenen Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras (COPINH), einer Organisation, die sich für die Rechte indigener Völker und den Erhalt ihrer natürlichen Umwelt in Honduras einsetzt, insbesondere der Lenca, einer Volksgruppe der sie selbst entstammte. 2012 erhielt sie den Shalom-Preis, 2015 wurde sie für ihren Einsatz mit dem Goldman Environmental Prize geehrt. Im Rahmen der Veranstaltung wird auch der 37-minütige Dokumentarfilm über sie und COPINH gezeigt: „Wo der Tod Teil der Landschaft ist" („La Voz Lenca No Se Calla“) von Nina Kreuzinger & Andrea Lammers. HD 16:9 / color, OV Spanish with German subtitles / 37 min; HN, AT / 2013.

Montag, 21. November 2016

Auftakt der fünften Delegationsreise nach Honduras in Tegucigalpa

Bienvenidas y bienvenidos!

Wir melden uns aus Honduras' Hauptstadt Tegucigalpa zu unserem ersten Blog-Eintrag über unsere dreiwöchige Delegationsreise durch das Land. Es ist die fünfte Reise ihrer Art, die das Honduras-Solidaritäts- und Menschenrechtsnetzwerk HondurasDelegation veranstaltet.

Es ist nicht einfacher geworden in Honduras, aber die Bevölkerung hat nicht aufgehört, sich zu engagieren. Eingeschränkte Pressefreiheit, Verfolgung und Bedrohung von Menschenrechtsverteidiger*innen, Journalist*innen, Anwält*innen, LGTBI-Aktivist*innen und Umweltaktivist*innen gehören mittlerweile zum Alltag. Der Ausverkauf besonders indigener Territorien bedroht die Lebensgrundlage indigener Gemeinden, die verstärkt Repressionen durch staatliche und nicht-staatliche Akteuren ausgesetzt sind.

Uns geht es darum, die sozialen Bewegungen vor Ort zu besuchen, um ihnen unsere Solidarität zu zeigen und uns als Menschenrechtsbeobachter auf den neuesten Stand ihrer Arbeit bringen zu lassen. Oft genug riskieren sie mit ihrer Arbeit ihre körperliche Unversehrtheit und es bedeutet einen gewissen Schutz, um die internationale Aufmerksamkeit für ihre Tätigkeit zu wissen. Gleichzeitig möchten wir die wichtigen und mutigen Auseinandersetzungen, die die sozialen Bewegungen hier führen, bei uns in Europa bekannt machen und bereiten eine Reihe von Medienprodukten vor, so zum Beispiel einen Dokumentarfilm und eine Schwerpunktausgabe der Zeitschrift "ila" zu Honduras.
In diesem Blog werden wir ab heute im Abstand weniger Tage ganz frisch über unsere Recherchen berichten, es lohnt sich also hier immer wieder mal vorbeizuschaun.

Unsere ersten Besuchstermine: FIAN und die Europäische Union

Heute ging es los mit einem Besuch bei einem alten Weggefährten: Jesus Garza war nach dem Putsch 2009 unser erster Rundreisegast aus Honduras in Berlin und München und rief damals Aktivist*innen und Journalist*innen dazu auf, Honduras zu besuchen und über die Realität im Land zu berichten. Das haben wir uns zu Herzen genommen. Nun haben wir ihn wieder getroffen, er ist derzeit nationaler Koordinator von FIAN, einer weltweit tätigen Menschenrechtsorganisation, die sich mit dem Recht auf Ernährung und Landwirtschaft befasst.

Wir wollten von ihm wissen, welche Folgen das seit 2012 bestehende "Assoziierungsabkommen" zwischen der EU und Zentralamerika hat. Das sei schwer zu messen, sagt Garza, sicher sei aber, dass dieses Abkommen die neoliberale Wirtschaftspolitik, die das Land schon vorher geprägt habe, weiter verfestigt habe. Ergebnis sei eine Stärkung der europäischen Konzerne gegenüber den Interessen der Bevölkerung an Arbeitsrechten oder Umweltschutz.

Als nächstes besuchten wir Ketil Karlsen, den Botschafter der Europäischen Union in Tegucigalpa. Karlsen ist bekannt für sein Engagement für die Menschenrechte in Honduras und berichtet über die Einrichtung eines Runden Tisches, an dem die Botschafter einiger EU-Länder und der Schweiz und Angehörige der honduranischen Regierung sitzen und jeweils Vertreter*innen der sozialen Bewegungen oder Menschenrechtsverteidiger*innen einladen.
Im Gespräch mit dem Botschafter der EU, K. Karlsen
Auf der anderen Seite steht ein 37 Mio. Euro schweres Programm der EU-Entwicklungszusammenarbeit namens EUROJUSTICIA, mit dem die Effizienz der honduranischen Strafverfolgung verbessert werden soll. Es sei dahingestellt, ob die eklatant hohe Straflosigkeit in Honduras tatsächlich die Folge fehlenden Geldes ist oder ein Spiegel der Machtverhältnisse im Land. Es ist ja nicht so, dass Polizei oder Militär im Land nicht funktionieren würden, wenn es etwa darum geht, Landbesetzungen zu räumen oder Aktivist*innen zu kriminalisieren.
Wir freuen uns aber darüber, dass unter den Vertretern der europäischen Politik jemand ist, der glaubhaft an der Verbesserung der Menschenrechtslage interessiert ist und hoffen darauf, dass Karlsen seinen Worten Taten folgen lässt, was im Fall des Mordes an der Indigenen-Führerin Berta Caceres schon geschehen ist.

Abends beim Essen denken wir angesichts unserer ersten beiden Treffen darüber nach, wie kongruent die Politik der EU in Honduras ist. Während ihre Wirtschaftspolitik soziale Konflikte erzeugt, kümmern sich die "Vertreter der europäischen Werte" (Botschafter Karlsen) um den Schutz der Menschenrechte derer, die unter den Investitionen europäischer Konzerne zu leiden haben, seien es Minen, Tourismus- oder Green Economy-Projekte.
All das werden wir uns in den kommenden drei Wochen aus der Nähe anschauen.

Hier geht's zu einer Beschreibung unseres Vorhabens incl. Spendenaufruf.

Sonntag, 20. November 2016

Info-, Film- und Diskussionsveranstaltungen Stimmen des Widerstands aus Mittelamerika

Carea e.V.- Fairbindung - Hondurasdelegacion - Latinokino und Ya-BastaBerlin laden ein:

Di 22.11. um 19.30 Uhr mit Kofü / cocina popular

Latinokino

New Yorck 59 im Bethanien, Mariannenplatz 2a, Berlin Kreuzberg

Unnachgiebige Rebellion in Honduras


Honduras gehört weltweit für Menschenrechtsverteidiger*innen zu den gefährlichsten Ländern, es ist geprägt von einer zunehmenden Militarisierung, Korruption, Straflosigkeit und dem Ausverkauf des Landes. Kritsche soziale Bewegungen, die die Natur gegen die rücksichtlose Ausbeutung durch
Megaprojekte verteidigen, werden mit Repressionen üeberzogen. Eine dieser energisch kämpfenden Organisationen ist COPINH.

Der Zivile Rat der Basis- und indigenen Organisationen Honduras kämpft seit 23 Jahren, leistet Widerstand und baut Alternativen auf. COPINH ist eine indigene, anti-patriarchale, anti-neoliberale Organisation, die das Wohl der indigenen Gemeinden anstrebt. 200 Gemeinden aus sechs
Departements sind in COPINH organisiert.Der Dokumentarfilm zeigt die Vielfalt der Kämpfe sowie den Mut und die würdevolle Rebellion von COPINH.

„In diesem energischen Kampf, den COPINH entfacht hat, haben wir durch unsere Autonomie, Selbstbestimmung, unseren Druck und die Mobilisierung gemeinschaftliche Landtitel, Straßen, Schulen und all die Arten von Errungenschaften erreichen können, die wir heute haben.“ (Zitat aus der Doku)

Zu Gast: Martín Fernández von der Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit Honduras


Mi 23.11. um 19 Uhr

Regenbogenkino

Lausitzer Str. 22, Berlin Kreuzberg

Erfahrungen der Karawane fuer ein Gutes Leben


Die Karawane Mesoamerika für ein Gutes Leben der Menschen im Widerstand ist ein solidarisches Projekt, das durch die Zusammenarbeit internationaler
Kollektive realisiert wurde. Zwischen Mai 2015 und Juli 2016 reiste die Karawane von Mexiko bis Costa Rica und hat sich mit 17 Gemeinden ausgetauscht,
die im Widerstand gegen Megaprojekte wie Bergbau, Windkraftparks, Gasleitungen, Monokultur- und Wasserkraftprojekte sind. Dabei hat sie Einblicke
gewonnen über die Strategien von Regierungen und transnationalen Firmen und viel über Organisationsformen des Widerstandes gelernt.

Bei der Veranstaltung wird eine Aktivistin der Karawane von den Eindruecken berichten, aber vor allem anhand der auf der Reise produzierten Videos
die Menschen selber zu Wort kommen lassen und sie ueber ihre Erfahrungen mit Regierungen, transnationalen Firmen aber auch ihre Widerstände
berichten lassen.


Bei beiden Veranstaltungen ist die Intension, im Anschluss einen Austausch zu ermöglichen, um die Brücke zu Deutschland zu schlagen
und gemeinsam nach Unterstützungs- und Handlungsmöglichkeiten zu suchen.